Margret Bilger – eine große Künstlerin arbeitete für den Martinsdom
Die Glasfenster an der Südseite unseres Martinsdom entstanden in den Jahren 1956 – 1962 und sind Werke von Margret Bilger (1904 – 1971).
Margret Bilger hat in der Glaswerkstatt des Zisterzienserklosters Schlierbach (OÖ) für Kirchen in Österreich, Deutschland und den USA Glasfenster mit christlichen Themen entworfen und ausgeführt.
Sie hatte schon 1955 für die Hauskapelle des Bischöflichen Knabenseminars ein beeindruckendes Glasfenster geschaffen, das die „Jünglinge im Feuerofen“ (aus dem alttestamentlichen Buch Daniel) darstellte.
Die Offenbarung – ein Trostbuch in bedrängter Zeit
Margret Bilger fand in einer von Krankheiten und anderen Schicksalsschlägen geprägten Jugend einen inneren Zugang zur Bibel und hat häufig Themen sowohl aus dem Alten als auch dem Neuen Testament in ihren Kunstwerken umgesetzt. Hier bei uns hat sie sich mit dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes auseinandergesetzt. So hat sie hier in Eisenstadt auch farblich sehr ausdrucksstark einige Kapitel dieses biblischen Buches bearbeitet.
Die Darstellungen im ersten von ihr geschaffenen Fenster hat Margret Bilger unter der Bezeichnung „Frau in der Sonne“ zusammengefasst. Das Glasfenster „erzählt“ gewissermaßen in mehreren Abschnitten das heilsgeschichtliche Wirken Mariens. Bei der letzten Neugestaltung des Domes im Jahre 2002 wurde unter dem Fenster „Frau in der Sonne“ das altehrwürdige Marienbild „Mutter der Betrübten“ angebracht und so ein weiterer Aspekt der Marien-Spiritualität hinzugefügt. Diese Geschichte des Mitwirkens Marias am Heilsplan Gottes wird im hier abgebildeten Glasfenster von unten nach oben geordnet folgendermaßen dargestellt:
Frau in der Sonne
Zunächst wird in grün-gelber Farbe die Erdkugel abgebildet: Die Welt mit der Menschheit ist das Interesse Gottes – hier will Gott das Heil verwirklichen. Doch die Welt und die Menschheit wird vom Drachen – in roter Farbe dargestellt – bedrängt und gleichsam beherrscht. In dieser Welt-Situation wird die Hilfe Gottes für die Menschheit sichtbar:
„Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“ (Offb 12,1). Maria ist die von Gott Erwählte, die den Erlöser zur Welt bringt: „Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.“ (Offb 12,2)
Die Welt – Ort des Ringens um das Gute
Maria ist die Helferin der Menschheit im Kampf gegen den Drachen, der Sinnbild für die Bosheit und die Gottes-Ablehnung ist. Das göttliche Kind, von Maria geboren, wird begleitet von den herab eilenden Engeln – dargestellt in gelben Glaselementen im obersten Drittel des Fensters.
Der Sieg Mariens ist unser Trost
Zuletzt wird die Muttergottes als die „Immaculata“ im obersten Fenster-Abschnitt gezeigt. Ihre Reinheit ist Gewähr für ihre Gottesnähe. Deshalb können und sollen die Gläubigen sie anrufen um ihre Fürbitte bei Gott. So ist Maria die immerwährende Hilfe der Beter, die diesen Dom betreten und Hilfe und Trost in ihren Anliegen suchen.
Die obere Darstellung der „Unbefleckten Gottesmutter“ korrespondiert so passend mit dem unter dem Fenster angebrachten „Zweiten Eisenstädter Gnadenbild“ der „Mutter der Betrübten“.
Täglich kommen Gläubige in unserem Dom, zünden ein Opferlicht unter dem Marienbild und dem darüber befindlichen Glasfenster an – mit der Bitte um die Hilfe der Muttergottes.




