Gedanken zum Sonntag des Wortes Gottes

Seit Weihnachten leben wir im Lockdown. Nur wenige konnten seither den Leib Christi, die Kommunion empfangen. Erfahrungsgemäß wären manche in diesen kalten Jännertagen ohnehin zu Hause geblieben. Andere lassen sich von Widrigkeiten dieser Art nicht beirren. Für sie sind die Feier der Eucharistie und die Gemeinschaft mit Christus in der Kommunion Nahrung und Stärkung. Und nun – sollen sie etwa verhungern?

 

So etwa könnte man die Stimmungslage rund um dem 24. Jänner, den Sonntag des Wortes Gottes, zusammenfassen. Fällt auch dieser der Pandemie zum Opfer? Man könnte es auch anders sehen – vielleicht hat er gerade im Jahr der Pandemie eine besondere, nahezu prophetische Aussagekraft. Landläufig versteht der Katholik, die Katholikin unter „Kommunion“ den Empfang des Leibes Christi. Es gibt jedoch noch eine weitere Form der Kommunion – die Begegnung und Gemeinschaft mit Christus in seinem Wort. Kommunion heißt nämlich übersetzt Gemeinschaft. Diese ereignet sich auch, wenn man betrachtend und betend die Bibel liest. Hören wir nun einige biblische Stimmen, die uns diese besondere Speise schmackhaft machen wollen.

 

Nicht von Brot allein

Dass Gottes Wort nahrhaft ist, wussten schon die Schreiber des Alten Testaments. So erinnert Mose die Israeliten, Gott habe sie während ihres Weges durch die Wüste in das gelobte Land zur Erkenntnis geführt, »dass der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was der Mund des HERRN spricht« (Dtn 8,3). Jesus hat sich diesen Gedanken während seines vierzigtägigen Fastens zueigen gemacht, als er versucht wurde, aus Steinen Brot zu machen. So wird deutlich: das Wort Gottes ist ihm Zeit seines irdischen Daseins ein Lebensmittel im wahrsten Sinne des Wortes gewesen. Es war seine Speise, den Willen dessen zu tun, der ihn gesandt hat (Joh 4,34).
Eine ähnliche Erfahrung liegt wohl der bekannten Geschichte Rainer Maria Rilkes von der Rose zugrunde. Der Dichter war nämlich ein großer Liebhaber des Alten Testaments. Offensichtlich hatte er auf diesem Hintergrund verstanden, was die Bettlerin in Paris nötig hatte – nicht nur ein paar Francs für etwas Brot, sondern die Rose, die ihren Hunger sogar einige Tage lang zu unterdrücken vermochte. – Der Mensch lebt nämlich, wie schon Mose wusste, nicht nur von Brot…

 

Das harte Brot der Propheten...

Von einer ähnlichen Erfahrung spricht der Prophet Jeremia. Er hatte kein leichtes Los. Das Wort Gottes, dass er zu verkünden hatte, war düster und unheilvoll. Er ging ihm jedoch nicht aus dem Weg – im Gegenteil, er verzehrte es nahezu gierig und bekennt Gott gegenüber: »Fanden sich Worte von dir, so verschlang ich sie; dein Wort wurde mir zum Glück und zur Freude meines Herzens« (Jer 15,16). Auch harte Worte können uns nähren, weil sie uns helfen, das Wesentliche nicht aus dem Auge zu verlieren. Das II. Vatikanische Konzil sagt, Gott habe uns wie Freunde angesprochen (DV 2). Einem guten Freund aber gestehen wir zu, dass er manchmal auch Klartext zu uns spricht. Wir wissen nämlich, dass er uns nicht vorführen oder gar bloßstellen, sondern vor größerem Unheil bewahren will. Daher darf er – und nur er – uns sagen, was wir von anderen nicht hören wollen oder können.

 

...süßer als Honig

Ezechiel, ein Zeitgenosse Jeremias, erzählt in bildhafter Sprache dasselbe. Als er von Gott berufen worden ist, streckte ihm eine geheimnisvolle Hand eine Buchrolle entgegen. Sie war auf beiden Seiten mit Klagen und Weherufen beschrieben. Der Prophet bekommt den Auftrag, sie zu essen und dann zu den Israeliten zu reden. Kein Text der Bibel schildert so eindringlich, was es heißt, das Wort Gottes zu verinnerlichen. Der Prophet soll die Buchrolle verspeisen. Sie soll zu einem Teil seiner selbst werden. Doch kann eine Nahrung bekömmlich sein, die aus Seufzern und Klagen besteht? – Der Prophet stellt fest, dass all diese bitteren Worte in seinem Mund süß wie Honig geworden sind. Bittersüß ist sie also, diese Speise, manchmal fordernd, demaskierend und niederschmetternd, dann wieder aufbauend und tröstend; wegweisend in jedem Fall.

 

Hunger nach dem Wort

Als letzter alttestamentlicher Zeuge sei der Prophet Amos aufgerufen. Er spricht vom Tag des Herrn als einem Tag des Gerichts. Menschen, die sich von Gott entfernt haben, werden plötzlich von quälendem Hunger und Durst befallen, jedoch nicht nach Brot und Wasser, »sondern danach, die Worte des Herrn zu hören« (Am 8,11). Zweifellos
durchleben wir in diesen Tagen eine Krise, die manchen Menschen mehr abverlangt, als sie zu tragen imstande sind. Andere beginnen aber auch zu sehen, dass vorher nicht alles in Ordnung war und Wesentliches aus dem Blick geraten ist. Dritte wiederum suchen nach Sinn und einem festen Fundament, das auch in stürmischen Zeiten Halt gibt. Diese und andere Formen trägt der Hunger nach dem Wort Gottes im Jahr 2021.

 

Hören und leben

Mit dem Empfang des Leibes Christi verbinden wir die Verheißung des ewigen Lebens. Dabei stützen wir uns auf das Johannesevangelium, wo es heißt: Wer von diesem Brot ist, wird in Ewigkeit leben (Joh 6,51). Im vorangehenden Kapitel sagt Jesus dasselbe über sein Wort: »Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen (Joh 5,24). Nehmen Sie diese Einladung heuer an – nicht nur am Sonntag des Wortes Gottes – und die Bibel zur Hand. Treten Sie auf diese Weise mit Christus ins Gespräch, und lassen Sie sich von seiner geheimnisvollen Gegenwart beschenken. Kosten Sie vom reichlich gedeckten Tisch des Wortes Gottes. Essen Sie langsam, verschlingen sie nicht zu große Brocken, denn auch im Blick auf die Heilige Schrift gilt: Gut gekaut ist halb verdaut. Lassen Sie Worte, die Sie berühren, langsam auf der Zunge zergehen, damit sich ihr Aroma entfalten kann. Ich wünsche Ihnen guten Appetit, denn diese Speise ist nahrhaft und zudem noch gut für die Figur.

 

(Bibelreferat der Diözese Gurk-Klagenfurt)

 

Text: Klaus Einspieler

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